Die Bundesliga steht vor der wegweisenden Entscheidung

Gepostet am: Januar 20, 2016 | 0 Kommenatre |

Die Premier League hat einen neuen TV-Vertrag über die Rechte an den Live-Übertragungen der Premier League-Partien bekanntgegeben. Sky und British Communications haben das Wettbieten gewonnen und erhalten die Rechte für die drei Spielzeiten von 2016 bis 2019. Hinzu kommen Einnahmen aus der Auslandsvermarktung und den Namensrechten. Insgesamt erwartet die Premier League für diese Spielzeiten rund 3,2 Milliarden Euro an Einnahmen – pro Jahr. Zum Vergleich: Die Bundesliga rechnet für die Spielzeit 2016/2017 mit Einnahmen in Höhe von 700 Millionen Euro (vgl. Bundesliga 2012).
Die Milliarden der Premier League könnten zur Gefahr für die Bundesliga werden – teilweise sind sie es schon. Wie kann sich die Bundesliga davor schützen? Und was kann sie selbst für höhere Einnahmen tun?

Ein Stich ins Herz

Video camera viewfinderErste Auswirkungen dieser finanziellen Unterschiede waren im vergangen Sommer sichtbar. Die Klubs der Premier League verfielen in einen regelrechten Kaufrausch und warben auch einige Spieler von Bundesliga-Vereinen ab.
Prominentestes Beispiel sicherlich: Kevin De Bruyne. Für die Rekordablöse der Bundesliga-Historie von 75.000.000 Euro (vgl. transfermarkt.de) wechselte der spielstarke Mittelfeldspieler vom Werksklub VFL Wolfsburg zum nordenglischen Scheich-Klub Manchester City. Auch der FC Liverpool investierte im vergangenen Transferfenster in die eigene Mannschaft. Der Traditionsverein verpflichtete Roberto Firmino von der TSG 1899 Hoffenheim für 41.000.000 Euro (vgl. transfermarkt.de). Somit verloren gleich zwei Bundesligavereine ihren offensivstärksten Spieler – ein Stich ins Herz vor allem für den VFL Wolfsburg, der gerade Vize-Meister in der Bundesliga und DFB-Pokal-Sieger wurde. Auch oder gerade wegen Kevin De Bruyne.
Beide Transfers sorgten für großen Aufschrei aufgrund der immensen Summen, doch die Zahlen lügen nicht und beide Spieler bislang. De Bruyne verbucht bislang bei seinem neuen Arbeitgeber in 29 Einsätzen wettbewerbsübergreifend 11 Tore und 13 Vorlagen – eine bärenstarke Quote. Nicht ganz so stark ist da Roberto Firmino mit 3 Toren und 5 Vorlagen, allerdings zählt er mit 26 Einsätzen klar zum Stammpersonal der „Reds“ (vgl. transfermarkt.de).

Deutsche Cleverness

Doch nicht alle Transfers der Premier League Klubs erweisen sich als wirtschaftlich. Im Sommer 2015 wechselte Rechtsverteidiger Abdul Rahman Baba für 2.500.000 Euro von der Spvgg Greuther Fürth aus der 2. Bundesliga zum Bundesligisten FC Augsburg. Nach nur einem Jahr mit 31 Einsätzen für die Fuggerstädter wechselt er dann im Sommer zum FC Chelsea in die englische Hauptstadt – für 20.000.000 Euro – und tritt dort bislang kaum in Erscheinung. Lediglich drei Startelf-Einsätze in der Premier League lassen vor allem die Ablösesumme fragwürdig erscheinen, während sich die Verantwortlichen in Augsburg noch immer auf ihre Schultern klopfen dürften.




Auch Mainz 05 durfte sich aus finanzieller Sicht im Sommer durchaus gefreut haben, erzielte man doch bei dem Verkauf des Japaners Shinji Okazaki an Leicester City ein Transferplus von 9.500.000 Euro. Mit 22 Einsätzen spielt dieser zwar durchaus eine tragende Rolle im Überraschungsteam der Premier League. Allerdings kann er mit bislang mit mageren 6 Scorerpunkten nicht ganz an seine Bilanz aus der Vorsaison anknüpfen (20 Scorerpunkte in 35 Einsätzen).

Prominenter Mut-Macher

Sportlich waren die Verkäufe in allen vier Beispielen durchaus ein Verlust – der eine mehr, der andere weniger. Doch wirtschaftlich haben die Verantwortlichen aller vier Vereine sehr gute Arbeit geleistet. Die Transfererlöse waren immens und die englischen Klubs verpflichteten alle deutlich über dem Marktwert. Somit kann die Bundesliga auch durchaus vom Geldregen der Premier League Klubs profitieren.
Für die kleineren Bundesliga-Vereine dürfte es in Zukunft zwar weiterhin unmöglich bleiben, ihre besten Spieler bei lukrativen Angeboten aus England zu halten. Doch für die Top-Vereine gibt es vor allem einen Mut-Macher zu verzeichnen: Thomas Müller. Im Sommer wurde bekannt, dass Louis van Gaal den Nationalspieler unbedingt zu seinem Verein locken möchte. Manchester United bot laut Sport1 die Rekordtransfersumme von 100.000.000 Euro. Der FC Bayern lehnte ab, erklärte Müller für „unverkäuflich“. Doch klar war damit auch: die nächsten Angebote sind nur eine Frage der Zeit. Deshalb beugte der FC Bayern genau diesen Angeboten vor und verlängerte den Vertrag mit dem bayrischen Urgestein im November bis 2021. Ein klares Signal an die internationale Konkurrenz, aber auch ein Mut-Macher für die Bundesliga. Nicht jeder Spieler oder Verein verfällt dem Geld.

Kampfansage statt Kapitulation

Vor wenigen Tagen äußerte sich Thomas Müller dann zu seiner Entscheidung. „Meine Vertragsverlängerung war ein Statement vom Verein und von mir, dass wir zueinander stehen und große Ziele verfolgen“, sagte der Nationalspieler. „Sicherlich ist das auch ein Zeichen, dass der FC Bayern eine Adresse ist, die man nicht verlässt, auch wenn in England aktuell natürlich viel geboten wird. Wir zeigen damit, dass der FC Bayern dem ganzen standhalten kann.“ Ein Statement mit Wucht und ein wichtiges Zeichen für die deutschen Klubs, sich nicht zu verstecken.
Die Bundesliga hat ihre eigenen Reize. Die Stimmung ist sensationell, die Stadien nahezu immer ausverkauft und der Fußball auf einem hohen Niveau. Hinzu kommt, dass gerade für junge Spieler die Entwicklungschancen extrem gut sind und deutsche Talente immer mehr gefragt sind. Aktueller Shooting-Star der Bundesliga, der bereits jetzt schon mit internationalen Größen wie Real Madrid, dem FC Barcelona oder Manchester City in Verbindung gebracht wird, ist Leroy Sané. Aus der eigenen Jugend vom FC Schalke 04 gekommen, startet der 20-jährige in dieser Saison richtig durch. Und er ist nur eins von vielen Beispielen. Ein Fall, der in der Premier League Seltenheitscharakter genießt, da den jungen Spielern meist ausländische Stars vor die Nase gesetzt werden, an denen sie nicht vorbeikommen. Ein Problem, was auch Folgen für die englische Nationalmannschaft hat.

Eigener Weg als Chance

Langfristig wird die Bundesliga in Bezug auf die Einnahmen natürlich nachziehen müssen. Die Frage bleibt: wie? Die Auslandsvermarktung wird eine entscheidende Rolle bei neuen Einnahmen spielen, so viel ist klar. Hier hat die Bundesliga auch definitiv Nachholbedarf. Allerdings darf bezweifelt werden, dass die Einnahmen hier ähnlich hoch sein werden, wie die der Premier League. Dafür ist diese bereits zu viele Jahre voraus. Auch ein Wettbieten zwischen TV-Anbietern dürfte sich aufgrund der Monopol-Stellung von Sky als schwierig erweisen, da es hier an erkennbarer Konkurrenz mangelt. Und selbst wenn: 3,2 Milliarden Euro pro Jahr ist eine gigantische Summe, die so schnell keiner der europäischen Ligen nachmachen dürfte.
Eine Chance für die Bundesliga bietet hier eher das Sponsoring. Und das beginnt mit der Ausbildung der Fachkräfte. Hier können deutsche Bundesliga-Vereine einen ihrer Schwerpunkte setzen und Studiengänge in Kooperation anbieten und sich so ihren eigenen Marketing- und Sponsoring-Nachwuchs ausbilden. Denn durch neue Sponsoren-Verträge können die Vereine kurzfristig höhere Einnahmen generieren.

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